Die Geschichte des Zentrum für Demokratie

Mehr als 20 Jahre aktive Netzwerksarbeit gegen die extreme Rechte und Neonazis in Treptow-Köpenick.

2000: Die Anfänge des Widerstandes

Im Jahre 2000 zog die Bundeszentrale der NPD nach Berlin-Köpenick in die Seelenbinderstraße. In der Folge gründeten sich das Bündnis für Demokratie Treptow-Köpenick sowie das Jugend-Bündnis Bunt statt Braun. Diese Bündnisse koordinierten den lokalen Widerstand gegen die Raumnahme der neonazistischen Partei. Die Bündnis-Arbeit gewann in den darauffolgenden Jahren einen so hohen Stellenwert, dass eine hauptamtliche Struktur eingeführt werden sollte.

 

2002/2003: Aufbau einer hauptamtlichen Struktur

2002 gründete sich in Treptow-Köpenick die Fachstelle Anspiel in Trägerschaft des Sportjugendclubs Arena. Die Netzwerkstelle sollte ein Knotenpunkt des lokalen Engagements sein. Adressat:innen der Netzwerkstelle waren Akteur:innen aus Schule, Jugendhilfe, Kirche, Politik und Verwaltung

Die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick beschloss bei ihrer Sitzung am 30.10.2003, dass die Netzwerkstelle Anspiel zu einem Zentrum für Demokratie ausgebaut werden sollte.

 

2004: Eröffnung des ZfD

Am 18. April 2004 war die offizielle Eröffnung des Zentrums für Demokratie. Die ersten Räume des Zentrums für Demokratie befanden sich in der Köpenicker Puchanstraße, der heutigen Gedenkstätte für die Opfer der Köpenicker Blutwoche.

Das Zentrum für Demokratie entwickelte sich schnell zu einer wichtigen Anlaufstelle für politische Bildung und für die Vernetzung der antifaschistischen Zivilgesellschaft.

 

2007: Umzug und neue Projekte

2007 zog das Zentrum von Köpenick nach Johannisthal und fand neue Räume im „Gartenhaus hinter dem Rathaus Johannisthal. Im Rahmen des Bundesprogramms „Vielfalt tut Gut“ – Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“ setzte das Zentrum für Demokratie ab 2007 die lokalen Aktionspläne gegen die extreme Rechte um. Mit diesem Programm wurden erstmals konkrete kommunale Konzepte gegen Demokratiefeindlichkeit und die extreme Rechte entwickelt.

 

2008–2010: Schöneweide als Hotspot der Neonazi-Szene

In der zweiten Hälfte der 2000er Jahre entwickelte sich Schöneweide zu einem Hotspot der Berliner Neonazi-Szene mit überregionaler Bedeutung. In der Brückenstraße eröffneten die bundesweit bekannten Neonazi-Läden Henker und Hexogen und brachten ein Umfeld an militanten Neonazis in den Ortsteil. Eine Reportage von Lena Kampf beschreibt die damalige Situation in Schöneweide mit eindrücklichen Worten. (Verlinkung) Die Brückenstraße ist damals bekannt als die „Braune Straße“ von Berlin.

 

2011: Neuer Standort als Gegengewicht

Um ein demokratisches Gegengewicht zu diesen Entwicklungen zu schaffen, zog das Zentrum für Demokratie (ZfD) 2011 in die heutigen Räume direkt am S-Bahnhof Schöneweide. Erstmals verfügt es damit über eigene Räume in denen Seminare und Ausstellungen stattfinden können. Am 04.03.2011 findet die offizielle Einweihung mit Bürgermeisterin statt.

Nach Bekanntwerden des neuen Standortes des ZfD wurde das Gebäude mehrfach von Neonazis angegriffen. Im November 2010 wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Zwei Wochen später wurde eine Jalousie demoliert. Am Neujahrstag wurden dann neonazistische Parolen wie „NS jetzt“ und „Anti-Antifa 88“ an das Gebäude geschmiert.

 

2013 – 2014 Erfolgreiche Gegenstrategien

Die Infrastruktur der Neonazis in Schöneweide konnte durch verschiedene Protestaktionen und die koordinierte Zusammenarbeit unterschiedlicher bezirklicher Aktuer:innen letztendlich geschlossen werden. Für eine nachhaltige Wirkung der Proteste haben die beiden größten Wohnungsbaugesellschaften Berlins (Stadt und Land / Degewo) ihre Mietverträge 2014 so verändert, dass es für extrem rechte Mieter:innen erheblich erschwert wird, ein Gewerbe in ihren Räumen anzumieten.

Eine entscheidende Rolle spielte hier der „Berliner Beirat für Schöneweide“, der am 17. Juni 2013 auf Initiative von Senatorin Dilek Kolat, Staatssekretärin Barbara Loth und dem Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick Oliver Igel gegründet wurde. Der Beirat hatte das Ziel, neue Ebenen und Akteure in die Auseinandersetzung um Rechtsextremismus in Schöneweide einzubeziehen. Mit Hilfe der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) und des Zentrums für Demokratie (ZfD) wurden lokale Strategien entwickelt und erfolgreich umgesetzt.

 

Heute: Das ZfD als Fach- und Netzwerkstelle

Heute vereint das Bündnis für Demokratie und Toleranz lokale Initiativen, aktive Einzelpersonen und Engagierte aus der Politik und Verwaltung in ihren Bestrebungen gegen die extreme Rechte und Ausgrenzung und für Solidarität und Vielfalt.

Durch den aktiven Protest und die Aktionen gegen die rechte Raumnahme hat sich der Sozialraum stark verändert. Nach wie vor bleiben rechte Akteur:innen im Bezirk Treptow-Köpenick aber aktiv, unter anderem auch durch die seit dem Jahr 2000 in Köpenick ansässigen Zentrale der Partei „die Heimat“ (ehemals NPD).

 

Das Zentrum für Demokratie bleibt als Fach- und Netzwerkstelle bestehen – als Raum für engagierte Vereine, Organisationen und Einzelpersonen sowie als Koordinierungsstelle von fünf unterschiedlichen Projekten, die sich für politische Bildung, zivilgesellschaftliches Engagement und Monitoring von (extrem) rechten Aktivitäten und Diskriminierung einsetzen.

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Kontakt

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Spreestraße (direkt gegenüber vom S-Bahnhof Schöneweide)
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